Interview mit Veronika Schmidt - Magazin Amen,
Wie man schambefreit leben und lieben lernt. Das Evangelium richtig angewendet, führt zur Gesundung der Menschlichen Persönlichkeit, einschliesslich der Sexualität.
Sexualtherapeutische Beratungswüste christliche Lebenswelt
foto: jens johnsson
foto: jens johnsson
Liebe Veronika
Ich habe schon zahlreiche Deiner Artikel im Blog gelesen - auch Teile in "Liebeslust". Ich schätze Deine Weite und Ehrlichkeit. Beides tut den Nöten, in denen Menschen in diesem Bereich stecken, gut! Auch ich persönlich habe durch Dich viel über mich entdecken und lernen können. Vielen herzlichen Dank dafür!!
Meine Frage zielt in mein Arbeitsfeld als Pastor. Hast Du mir eine christliche Sexualtherapeutinnen-Liste? Ich begleite jemanden als Pastor, den ich gern an eine gute Adresse verweisen möchte. Hast Du Kollegen oder Kolleginnen (sollte sich eigentlich ein Mann eher an einen Therapeuten und eine Frau an eine Therapeutin wenden?) in Deutschland, die eine Person begleiten könnten, die in ihrer sexuellen Orientierung unsicher ist? Es könnten auch säkulare Therapeutinnen sein, denen der Glaube an Gott nicht suspekt ist - wenn es denn solche gibt in einer Weite, wie ich sie auf Deinen Seiten und Büchern lese. ;o)
Über eine Antwort würde mich freuen. Herzlich Jochen.
Lieber Jochen
Machst Du Witze? Es gibt keine Liste christlicher Sexualtherapeuten und Sexualtherapeutinnen nach SEXOCORPOREL. In Deutschland kenne ich (noch) keine persönlich, aber in der Schweiz eine handvoll. Wo sollen denn plötzlich all die christlichen Sexualtherapeuten herkommen? Seit fünf Jahren schreibe ich praktisch im Alleingang auf diese besondere Weise gegen das Elend in den christlichen Ehebetten an, und zwar für den gesamten deutschsprachigen Raum. Die christliche Lebenswelt futiert sich seit 50 Jahren mehrheitlich um einen positiven Zugang zum Thema. Dieses Blatt wendet sich leider nur langsam. Christliche Therapieansätze zu Sexualität, Homosexualität, Pornografie etc. sind eher Anti-Therapien, im Sinne von «etwas abgewöhnen».
Christliche Therapien zur lustvollen Entdeckung und damit zu einer sinnvollen Hinführung zur gewünschten sexuellen Veränderung existieren eigentlich keine. Noch immer sind wir in der christlichen Lebenswelt verhaftet in einer Problem- und Verbotskultur, was Therapieerfolge nicht fördert. Die negative Haltung zur sexuellen Körperlichkeit verhindert sinnvolle sexuelle Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen und notwendige Körpertherapien bei Erwachsenen. Stichworte: Selbstentdeckung, Selbstbefriedigung, sexuelle Selbstsicherheit, gutes Selbstgefühl, den Körper gut bewohnen, Stolzsein auf den (sexuellen) Körper, lustvolle Sexualität. Deshalb – wo immer ich kann, ermutige ich interessierte Menschen, und somit auch Dich, sich eine entsprechende Sexualtherapie anzueignen. Es braucht mehr davon, viel mehr!
15'000 Menschen besuchen monatlich meinen Blog, fast 70 Prozent davon sind Besucher aus Deutschland. Die meisten an mich gerichteten Fragen kommen inzwischen ebenfalls aus Deutschland. Vor lauter Fragen beantworten komme ich neben meinen Beratungssitzungen und Vorträgen kaum noch dazu, Blog-Beiträge zu schreiben. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz wird sich an der sexualtherapeutischen Beratungswüste der christlichen Lebenswelt nicht so bald etwas ändern, solange sich nicht viel mehr Berater und Beraterinnen sexualtherapeutisch ausbilden lassen.
Es wird sich aber auch in Bezug auf die Haltung zur Sexualität nichts ändern, solange theologische und seelsorgerliche Ausbildungsstätten das Thema Sexualität und Sexualtherapie nicht (prominent) auf ihren Lehrplan hieven. Immer wieder habe ich junge Pastoren und Absolventen von theologischen Ausbildungen in der Beratung. Voller moralischer Komplexe, mit riesige Problemen in ihrer eigenen Sexualität, an der sie auf vielfältige Weise scheitern. Mit diesen ungünstigen Voraussetzungen werden sie in der Gemeinde mit Fragen zu Sexualität konfrontiert, auf die sie nicht vorbereitet sind. Denn sie haben in der ganzen Ausbildungszeit wenig Hilfreiches und kein fundiertes Wissen zu Sexualität vermittelt bekommen.
Den Luxus, Therapeuten nach Geschlecht aussuchen zu können, gibt es aus obgenannten Gründen deshalb leider nicht. Ist aber auch nicht notwendig. Professionell ausgebildete Therapeutinnen arbeiten mit allen Menschen. Auch ich berate neben Frauen und Paaren ganz viele Männer. Meine beiden Bücher LIEBESLUST und ALLTAGSLUST beinhalten und beschreiben ein ganzes Therapiekonzept. Deshalb rate ich Dir, Dich für die Beratung Deiner Klientel erst selbst in Deiner Sexualität kompetent zu machen und Dir den Inhalt der Bücher anzueignen. Was ich Dir und der betroffenen Person anbieten könnte, ist eine Intensiv-Beratung bei mir. Das machen öfters Personen/Paare, die von weit herkommen. Sie buchen eine oder zwei Übernachtung in Schaffhausen, und wir machen am ersten Tag am Nachmittag und am zweiten und/oder dritten Tag am Morgen je eine zweistündige Beratungssitzung.
Es gibt inzwischen zum Therapie-Modell Sexocorporel neben allen Ausbildungsangeboten in Deutschland und der Schweiz auch einen Videokurs von LIFE LESSONS "Klinische Sexologie & Sexocorporel" von Dr. med. Karoline Bischof. LIFE LESSONS sind Online Weiterbildungen für Personen in therapeutischen und beratenden Berufen. In ihren über 20 Stunden umfassenden LIFE LESSONS vermittelt Dr. med. Karoline Bischof detailliert und praxisorientiert die wichtigsten Grundlagen des Sexocorporel Ansatzes und stellt fünf spannende Fälle von Einzel- und Paartherapeutischen Sitzungen vor, deren Problemstellungen in ihrer Praxis am häufigsten vorkommen.
Dr. med. Karoline Bischof ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen des Sexocorporel im deutschsprachigen Raum. Die Gynäkologin und klinische Sexologin ist Mitgründerin des Zentrums für interdisziplinäre Sexologie und Medizin in Zürich ZISS und leitet neben ihrer eigenen therapeutischen Tätigkeit SEXOCORPOREL Ausbildungen in Berlin, Kisslegg und Zürich. Während Sexocorporel in Frankreich bereits weit etabliert ist, ist der Ansatz im deutschsprachigen Raum gerade erst auf dem Weg zur breiten Öffentlichkeit. Diese therapeutische Konzept nähert sich der Thematik nicht nur auf kognitiv-sprachlicher Ebene, sondern auch ganz praktisch auf der körperlichen.
Wenn die Lust, die Erektion, der Orgasmus, die körperliche Anziehung oder das sexuelle Begehren fehlen, sind wir oft unweigerlich der Überzeugung: Mit mir stimmt etwas grundlegend nicht. Hier eröffnet Sexocorperel eine ebenso beruhigende wie aufregende Perspektive: Die Art, wie wir Menschen Sexualität erleben, was uns erregt und wie wir uns erregen ist das Ergebnis persönlicher und sozialer Lernprozesse. Diese Prozesse haben zum Erwerb verschiedener Fähigkeiten und Grenzen geführt. Und diese sind - wie alle Lernprozesse - beeinflussbar und erweiterbar. Für Therapeut*innen bietet dieses Konzept eine fundierte Theorie und sorgfältige Evaluationsmethoden, verbunden mit konkretem sexologischem Handwerkszeuge.
Lieber Jochen, ich hoffe, dass Dir meine Ausführungen neue Ideen für die Beratung und den Umgang mit Sexualität in Deiner Funktion als Pastor geben. Unten findest Du Hinweise zur Therapeut*innen Suche.
Herzlich - Veronika
Einblick in den Videokurs von LIFE LESSONS "Klinische Sexologie & Sexocorporel" von Dr. med. Karoline Bischof
SEXOCORPOREL Therapeut*innen Deutschland (diese Liste gibt es für die Schweiz nicht)
SUCHOPTIONEN im Internet (Deutschland/Schweiz): Systemische Sexualtherapie, Sexocorporel
Zu LIFE LESSONS:
In 15-stündigen Videokursen vermitteln Koryphäen ihres Fachs einen so noch nie dagewesenen Einblick in ihr therapeutisches Vorgehen. Eine spannende Mischung aus persönlicher Haltung, theoretischen Inputs, methodischen best practices und umfassenden Fallbeispielen macht dieses Wissen greifbar und direkt für die eigene Praxis anwendbar.
Momentan sind folgende Kurse verfügbar:
Prof. Dr. Ulrich Clement // Systemische Sexual- und Paartherapie
Dr. Karol Bischof // Klinische Sexologie und Sexocorporel
Dr. Maja Storch // Zürcher Ressourcenmodell und Embodiment
LIEBE WEIBER, STELLT EUCH HINTEN AN! ES GIBT WICHTIGERE THEMEN!
copyright: lisa kötter - maria 2.0
danke für die verwendungsrechte
copyright: lisa kötter - maria 2.0
danke für die verwendungsrechte
«Liebe Weiber, stellt euch hinten an! Es gibt wichtigere Themen!»
… ist ein Zitat von Christiane Florin aus ihrem soeben veröffentlichten Blog mit dem Titel MONSIEUR GOTT UND SEINE TÖCHTER ODER EINE KIRCHE SUCHT IHREN KERN. Ihre Aussage: Die gegenwärtige Zauderei der christlichen Männer um das Gleichstellungsthema und um die Frauenfrage ist ein Kniefall vor dem patriarchalen Zeitgeist.
Die Autorin des Buchs WEIBERAUFSTAND bezeichnet sich selbst als Katholikin und Zweiflerin und ist Radioredakteurin bei Religion und Gesellschaft beim Deutschlandfunk in Köln. Zur gegenwärtigen Zauderei der christlichen Männer schreibt sie: «Keiner der Herrn mit Hut und Mütze ermannt sich und bringt den schlichten Satz über die Lippen: Frauen und Männer sind gleichberechtigt, auch in der katholischen Kirche. (…) Sie (die Frauen) sind zwar vom Quer- zum Längsthema geworden, aber von ihnen wird - wie immer - Bescheidenheit erwartet. Gleichberechtigung gilt als unverschämtes Maximalziel.»
So denken nicht nur katholische Männer. Es lohnt sich, den Poster-Boys der evangelikalen Glaubenswelt (aber auch besonders ihren angesagten katholischen Mitstreitern) auf den Zahn zu fühlen und ganz genau zuzuhören, was sie sagen oder nicht sagen. Die Infragestellung lautet nicht nur, was tun sie für das Anliegen der Gleichberechtigung und der Gleichstellung der Frau? Viel brisanter und wichtiger ist die Frage, was tun sie eigentlich ganz bewusst nicht – und aus welchen Motiven. Christiane Florin nennt eines:
«Wer es formuliert (das Anliegen), gefährdet das grosse, kleine Ganze.»
Doch was ist das grosse, kleine Ganze? Wenn man genau hinhört, ist damit die EINHEIT DER GLÄUBIGEN gemeint. Wir Frauen sollten die Ungeheuerlichkeit dieses Gedankens unbedingt zu Ende denken. Unsere Gleichstellung wird auf dem Altar der Einheit der Gläubigen geopfert. Auf dem inner-kirchlichen, dem inner-denominationalen, dem inner-evangelikalen, dem inner-freikirchlichen, dem inner-ökumenischen Altar. Geopfert der Allianz der Männer, des Church-Boys-Club und seiner Bro-Kultur, den Funktionären, welche die christliche Welt regieren und verwalten. Besonders die in verführerisch modernem Gewand daherkommende ökumenische Allianz macht es nötig, dass uns der Weiberaufstand in der katholischen Kirche als evangelische, reformierte Frauen sehr wohl etwas angeht. Es ist auch unser Kampf.
Die Einheit wird bezeichnenderweise nicht nur in Bezug auf die Frau, sondern aktuell ganz besonders zu sexualethischen Fragen dauerbeschworen. Doch diese Bezüge sind grundfalsch. Unsere Einheit beruht auf dem gemeinsamen Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus. Ich führe in meinem Buch ENDLICH GLEICH! den unmittelbaren Zusammenhang von Sexualität und Frauenfrage aus. Wenn Frauen in der Gemeinschaft der Gläubigen keinen gleichberechtigten Platz kriegen, wird auch die Sexualität ewiger Stein des Anstosses bleiben. Oder in der Umkehrung (bzw. logischeren Reihenfolge) geradezu absurd anzuhören: Wenn Sexualität ewiger Stein des Anstosses bleibt, werden die Frauen in der Gemeinschaft der Gläubigen nie einen gleichberechtigten Platz kriegen. Doch Frauen allen Alters: Wir müssen es überhaupt als unser Problem und als ein gemeinsames Frauenproblem begreifen!
Frauensolidarität war schon immer auch ökumenisch, das zeige ich im Buch ENDLICH GLEICH! auf. So nebenbei - das Buch wird übrigens auch ökumenisch vereint totgeschwiegen und seine Verbreitung dem sozialen Frieden geopfert - nachdem ein katholisches Rumpelstilzchen getobt hat - just saying. Die Frauensolidarität braucht grundsätzlich einen Erkenntnisschub, den ich im Buch folgendermassen beschreibe: «Im Laufe des Schreibens von diesem Buch fiel mir etwas auf. Nämlich, wann im Laufe der Geschichte die Frauensolidarität am besten funktionierte: In der Not! (…) Es wäre tragisch, wenn christliche Frauensolidarität nur deshalb nicht funktioniert, weil es uns zu gut geht. Weil die einen haben, was sie wollen, und das Schicksal anderer Frauen überhaupt nicht interessiert, auch nicht die Ungerechtigkeit in der Welt. Es sind beschämende Gedanken, denen wir Frauen uns unbedingt stellen sollten.»
Deshalb möchte ich alle Frauen, aber ganz speziell die jungen Frauen und die reformierten Frauen, aufrütteln. Jede Generation muss auf dem Erbe der vorangehenden Generation aufbauen, sonst gehen deren Errungenschaften wieder verloren. Ausruhen bedeutet Rückschritt. Wir können uns nicht auf den Lorbeeren unserer Vormütter ausruhen und das Erreichte als Selbstverständlichkeit betrachten und mehr als das Erreichte nicht mehr wollen. Wenn sich Frauen heute nicht mehr für (kirchliche) Emanzipation engagieren und sagen, «Ach, ist doch alles kein Problem», dann vergessen sie, dass es ein Problem war und durch Ignoranz wieder zum Problem wird und in unserer christlichen Lebenswelt ein Problem bleibt. Wir sollten uns die Freiheiten, die wir erkämpft haben oder die andere für uns erkämpften, verteidigen.
Wir sind alle Maria
Unter diesem Titel fragt Petra Bahr im «BREF», dem Magazin der Reformierten No 14/2019, weshalb es evangelischen Frauen so schwerfalle, sich mit den Protesten von Maria 2.0 zu solidarisieren. Ihr Artikel erschien zuerst in Christ & Welt, den Extraseiten der ZEIT für Glaube und Gesellschaft. Petra Bahr ist Publizistin und Regionalbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Sie beschreibt, wie sie an einem ökumenischen Anlass beschämt realisiert, dass die keine Ahnung hat: «Nicht von der Wut und der Trauer, nicht von der Fähigkeit weniger Frauen, innerhalb kürzester Zeit sehr viele zu sein, die einander in der Kirche halten, einer Kirche, die sie lieben und in der sie doch keinen Ort mehr finden mit ihrer Sehnsucht nach Gleichheit.»
Sie zitiert einen evangelischen Kollegen, der die Abwehr des Diakonats der Frau durch den Weihbischof in seiner Nachbarschaft rechtfertigt: «Die deutschen Katholiken stehen ja nicht allein, sie sind Teil der Weltkirche. Da muss man Rücksicht nehmen und mehr Verständnis haben.» Bahr bringt auch ein Beispiel, welches bestätigt, wie eng die sexuellen Vorstellungen mit dem Bild der Frau verknüpft sind. So soll ein Kirchenvorstand angesichts der Pastorin, die ein Kind erwartete, gefragt haben: «Eine Schwangere, die die Einsetzungsworte spricht? Geht das denn?» Sie schreibt dazu: «Dass die Reinheit des Herzens zum alleinigen Angelpunkt des Christentums geworden ist, gerät auch im 21. Jahrhundert schnell in Vergessenheit, wenn es um Kirchenämter geht.»
Sie nennt das ökumenische Verschweigen der konfliktheraufbeschwörenden Unterschiede aus Angst vor wechselseitiger Verstimmung «Unterhak-Ökumene mit medialer Wirkung».
Sie beschreibt die Mechanismen von «Weiber, es gibt wichtigere Themen» ganz praktisch: «Was bedeutet das Lehramt schon, wenn man gemeinsam für einen humanen Umgang mit Geflüchteten kämpft, Caritas und Diakonie zusammen Projekte auflegen und die schrumpfende Gruppe kirchlich gebundener Abgeordneter in den Parlamenten nicht mehr nach ihrer Konfession, sondern in ihrem Christsein angesprochen wird. Gemeinsame Sommerempfänge, gemeinsame Gottesdienste auf öffentlichen Plätzen (gemeinsame riesige Jugendkonferenzen A.d.A.) – wer mag schon angesichts der tiefgreifenden Krise verfasster Kirchlichkeit am Amtsverständnis herumkritteln?»
In besagtem Artikel lesen wir das Zitat einer Maria-2.0-Vertreterin, die laut Petra Bahr keine Sekunde einen Zweifel aufkommen lässt, dass sie alle theologischen Argumente kennt: «Wir wollen eine Debatte und wir wollen an ihr teilnehmen.» Bahr erzählt, wie an sie als evangelische Gesprächspartnerin auf ökumenischen Podien von katholischen Geistlichen regelmässig die Frage adressiert wird: «Warum verliert ihr so viele Kirchenmitglieder, obwohl ihr Frauen im Pfarramt zulasst?» Sie findet die Frage deshalb verstörend, weil damit suggeriert wird, dass mit Frauen im geistlichen Amt der Verfall der Kirche noch beschleunigt wird. Sie fragt: «Was passiert, wenn die Säulen brüchig werden, auf denen die Gemeinden stehen? Säulen, die nur bei genauerem Hinsehen als weibliche Wesen erkannt werden? (…) Auch in den evangelischen Gemeinden ruht viel auf den Schultern dieser Frauen. Oft sind sie die Unscheinbaren. Dann und wann werden sie sogar wegen dieser Unscheinbarkeit gelobt. Doch Unscheinbarkeit ist kein Selbstzweck. Das haben die katholischen Frauen verstanden. Deshalb versuchen sie, das zu tun, was sie sich oft ein Leben lang verboten haben: laut zu sein, insistierend, ruhelos, zweifelnd, ungeduldig.»
Wir alle - gläubige Frauen und emanzipierte Männer - sollten uns nicht nur solidarisieren mit allen Frauen der christlichen Lebenswelt, wir sollten aufstehen und aktiv etwas tun für die Gleichstellung der Geschlechter. Packen wir es an!
«Wir sind die frommen, zornigen alten und jungen Frauen, Wir sind klug. Wir lieben Christus und die Menschen. Wenn wir nicht mehr kommen, was dann?»
aus “Wir sind alle Maria”
AKTUELLER DENN JE - FRAUEN IN DER KIRCHE STEHT AUF - MÄNNER SOLIDARISIERT EUCH! PODCASTS
foto by sophia langner
foto by sophia langner
Liebe BLOG-Leserinnen, liebe BLOG-Leser
Das Gleichstellungsthema hat für den Moment hier auf dem BLOG die Sex-Fragen etwas verdrängt, aus aktuellem Anlass meines neuen Buches. Doch ich werde selbstverständlich auch künftig wieder Sex-Fragen beantworten. Zudem lassen sich die Themen BEDINGUNGSLOSE GLEICHBERECHTIGUNG und SEXUALITÄT gar nicht voneinander trennen. Wo Frauen unterdrückt und nicht gleichberechtigt sind, werden sie oft auch sexuell ausgebeutet. Wo Frauen gleichgestellt sind, profitieren Männer und Familien. Das Thema FRAU IN DER KIRCHE ist zudem erst grad so richtig lanciert. Es liegt eine greifbare Veränderung in der Luft - endlich!
In der christlichen Lebenswelt besteht nach wie vor ein Vakuum von nicht ausgesprochener, bedingungslos gleichstellender Freisetzung der Frau, die keine Missverständnisse mehr erlauben würde. Ebenso lässt sich die bedingungslose Gleichberechtigung der Geschlechter nicht von der Geschichte der Sexualität trennen und hat mit der Geschichte der Frau zu tun. Im Paradies waren sich die Geschlechter ebenbürtig zur Seite gestellt. Sie hatten den gleichen Auftrag: die Welt zu gestalten. Mit dem Rauswurf aus dem Paradies begann der Geschlechterkampf und damit die Frauenverachtung und die Dämonisierung der Sexualität, besonders der weiblichen.
Deshalb ist es so wichtig, dass die Kirche endlich einen mutigen Schritt tut. Dass sie sich 500 Jahre nach der Reformation von Zwingli sagen lässt: “Tut um Gottes Willen etwas Tapferes!” Die BEDINGUNGSLOSE GLEICHBERECHTIGUNG steht diametral der THEOLOGISCH BEGRÜNDETEN AUSGRENZUNG von Frauen aus Leitung und Verkündigung gegenüber. Diese hatte jahrhundertelang einen Namen, der dem grossen Apostel und seinem Umgang mit Frauen überhaupt nicht gerecht wird: PAULINISCHE DIENSTEINSCHRÄNKUNG. Die theologisch begründete Ausgrenzung von Frauen ist zusammen mit Armut eine der Hauptgründe für mangelnde Bildung von Frauen weltweit. Was erwiesenermassen eins zu eins Auswirkungen hat auf den Wohlstand von Familien: Starke Frauen gleich gesunde Familien.
Paulus setzte Frauen selbstverständlich als Leiterinnen ein, sah sie als Säulen der aufblühenden Gemeinden. Nach Paulus steht kein Geschlecht über dem anderen, ist keines besser als das andere. Diese «Ordnung» nach Galater 3,28 hatte Gott mit Mann und Frau im Sinn. Jesus hat den Grundstein für Gleichstellung der Geschlechter und damit für Geschlechterversöhnung längst gelegt. Sein Umgang mit Frauen war spektakulär. Die ersten Christen bauten tatsächlich auf diesem Vorbild ihre Gemeinschaften auf. Es ist längst nicht mehr an der Zeit, «Haupt» und damit die Einhaltung von Ordnungen zu proklamieren. Die Frage der Frau und die Frage der Sexualität ist gleichzeitig die von Freiheit und Gerechtigkeit der Geschlechter. Verbunden mit Selbstverantwortung und der Freiheit, selbst zu denken. Was wiederum der entscheidende Schritt wäre hin zur Anerkennung der bedingungslosen Gleichberechtigung der Frau - ohne Wenn und Aber.
Deshalb, hört die zwei Podcasts - und fasst Mut für die richtige Veränderung zugunsten der Versöhnung zwischen den Geschlechtern!
Herzlich - Veronika
DER PODCAST VON DINO & STEGO ZU “ENDLICH GLEICH!”- DAS FRAUENPROBLEM
DIE PREDIGT - “ENDLICH GLEICH!” - ICF SCHAFFHAUSEN
KEINE MÖGLICHKEIT, EINEN VORTRAG ODER BERATUNG BEI MIR ZU BESUCHEN? HIER IST SIE ONLINE UND IN STANDARDSPRACHE!
DAS AUSFÜHRLICHSTE INTERVIEW MIT UMFASSENDEN INFORMATIONEN IN STANDARDSPRACHE - Danke Marc Bareth und Familylife five
„In der Sexualität erhält man eine Ahnung der Ganzheitlichkeit der Schöpfung.“ – Veronika Schmidt
Sie ist zu einer Art Aufklärerin in der frommen Szene geworden: Veronika Schmidt, klinische Sexologin, systemische Paar- und Familienberaterin, Autorin. Die Sexologin aus Schaffhausen hat mit ihren Büchern «Liebeslust» und «Alltagslust» einen Nerv getroffen. Mehrere Auflagen sind inzwischen verkauft. Für ihren Blog liebesbegehren.ch gewann sie 2017 den Familylife Award. Hunderte Menschen aus der Schweiz und Deutschland lesen täglich ihre Beiträge zu Sexualität. Im Juni erscheint ihr drittes Buch «Endlich gleich! – Warum Gott schon immer mit Frauen und Männern rechnet» im SCM-Verlag. Mit ihrem Mann lebt sie in Schaffhausen und hat vier erwachsene Kinder und vier Enkelkinder.
PODCAST
Show Notes
Veronika Schmidt will nicht in erster Linie Tabus brechen, sondern die Bedürfnisse der Menschen aufgreifen (3:45)
Körperfeindlichkeit ist in der Bibel nicht zu finden (07:09)
Bis jetzt war Kirche nicht Vorreiter im Thema Sexualität, sondern hat gesellschaftliche Trends nachvollzogen (08:13)
Christen haben keine Kultur der bejahenden und fördernden Sexualität (09:10)
Sex ist auch eine spirituelle Erfahrung (10:31)
Haben Christen besseren oder schlechteren Sex als Personen mit anderem Glauben? (12:34)
Eine gute Beziehung zum eigenen Körper als Voraussetzung für guten Sex. Sexualität muss ein Leben lang gelernt werden (13:30)
Wie kann man als Kirche gut über Sex sprechen? (15:56)
Ein Grund, der gegen Sex vor der Ehe spricht: Die Kennenlernphase wird unterbrochen, wenn man Sex hat (19:07)
Je mehr junge Menschen über Sex wissen, desto später haben sie das erste Mal Sex (20:50)
Sex heißt Verantwortung übernehmen für den anderen und für ein potenziell entstehendes Leben (21:52)
Ungefähr 75 % der jungen Menschen (Christen) warten mit dem ersten Sex nicht bis zur Ehe (23:15)
Veronika Schmidt propagiert das Vermitteln von Wissen zu Sexualität statt des Verbots von Sex vor der Ehe (24:09)
Selbstbefriedigung als wichtiger Baustein für eine gelungene Sexualität (25:10)
Die Verbindung zwischen Selbstbefriedigung und Pornografie (28:05)
Wie Männer frei von Pornografie werden können (30:10)
Weshalb für Frauen der sexuelle Lernprozess noch schwieriger ist als für Männer (36:10)
Selbstbefriedigung in der Ehe (37:26)
Als Eltern von kleinen Kindern ganz normal über die Geschlechtsorgane sprechen (41:06)
Umgang mit Unlust in langjährigen Beziehungen (44:54)
Die Lust kommt, indem man sich auf Sex einlässt (46:10)
Keine Lust bedeutet eigentlich: Ich wäre jetzt spontan nicht auf die Idee gekommen, Sex zu haben (47:32)
Veronika Schmidt ist Fan von geplantem Sex (48:23)
Die ideale Häufigkeit von Sex (49:03)
Was man tun kann, damit man als Paar auch in einigen Jahren noch zusammen Sex hat (50:23)
Die Sexualität der Frau verändert sich mit der Geburt eines Kindes (52:39)
Monogamie bedeutet nicht automatisch guten Sex und serielle Monogamie nicht automatisch schlechten Sex (54:15)
Mit Sex bis zur Ehe warten bedeutet nicht automatisch guten Sex (57:22)
Sex in der Hochzeitsnacht ist nicht mehr als der Beginn eines Lernprozesses. Wer mehr erwartet, wird wahrscheinlich enttäuscht werden (58:12)
„Man braucht keine sexuellen Erfahrungen vor der Ehe, aber man muss sich bewusst sein, dass befriedigender Sex nicht vom Himmel fällt“ (1:00:08)
Weshalb es Veronika Schmidt fahrlässig findet, mit jeglichem Körperkontakt bis zur Ehe zu warten (1:00:30)
Guter Sex und eine gute Beziehung bedingen sich gegenseitig (1:03:38)
Weshalb Veronika Schmidt als Sexologin das Buch „Endlich gleich! Warum Gott schon immer mit Frauen und Männern rechnet“ geschrieben hat (1:04:48)
Auf den Sündenfall folgte der Geschlechterkampf, dann die Dämonisierung der Frau, dann die Dämonisierung der Sexualität (1:10:30)
Der Schlüssel zu versöhnten Geschlechtern ist die Frau (1:13:10)
Es geht um die Gleichwertigkeit und die Gleichstellung und nicht um die Gleichheit von Mann und Frau (1:15:40)
Wie die Bibel zu verstehen ist. Das Spannungsfeld zwischen wörtlichem und kulturell erklärendem Verständnis der Bibel (1:17:34)
„Gott ist nicht die Kirche. Oder: Die Kirche ist nicht zwingend Gott.“ (1:21:55)
Veronika Schmidts Tipp, wie man in 5 Minuten seine Sexualität verbessern kann. (1:23:27)